{"id":6126,"date":"2026-08-03T08:07:48","date_gmt":"2026-08-03T08:07:48","guid":{"rendered":"https:\/\/allesgut.hr\/?p=6126"},"modified":"2026-08-03T16:45:43","modified_gmt":"2026-08-03T16:45:43","slug":"kroatiens-wasserwunder-und-abwasserluecken-ein-blick-von-der-insel-brac","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/allesgut.hr\/de\/kroatiens-wasserwunder-und-abwasserluecken-ein-blick-von-der-insel-brac\/","title":{"rendered":"Kroatiens Wasserwunder und Abwasserl\u00fccken: Ein Blick von der Insel Bra\u010d"},"content":{"rendered":"\n

Als Inselbewohnerin und \u00dcbersetzerin auf Bra\u010d erlebe ich immer wieder, wie wenig \u00fcber die tats\u00e4chliche Wasser\u2011 und Umweltlage in Kroatien<\/strong> bekannt ist. Genau deshalb m\u00f6chte ich hier einige Fakten und Hintergr\u00fcnde teilen.<\/p>\n\n\n\n

Dalmatien: Wasserreiches Paradies mit Spitzenwerten<\/h4>\n\n\n\n

Dalmatien ist reich an Wasser \u2013 kristallklare Fl\u00fcsse, saubere Quellen, eines der saubersten und optisch eindruckvollsten Meere Europas. Laut Eurostat\u2011Angaben verf\u00fcgt Kroatien<\/strong> \u00fcber durchschnittlich rund 30.700 Kubikmeter erneuerbare Wasserressourcen pro Einwohner und Jahr und liegt damit in der EU auf Platz 1<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n

In vielen Ranglisten zu erneuerbaren S\u00fc\u00dfwasserressourcen pro Kopf liegt Kroatien VOR dicht besiedelten und stark industrialisierten L\u00e4ndern wie Deutschland<\/strong>, weil dort viel mehr Menschen auf vergleichsweise begrenzte Wasserressourcen kommen.<\/p>\n\n\n\n

\u00d6sterreich<\/strong> hat dank seiner Alpenlage ebenfalls sehr hohe Wasserverf\u00fcgbarkeit und geh\u00f6rt wie Kroatien zur Spitzengruppe, w\u00e4hrend Deutschland eher im Mittelfeld liegt; f\u00fcr die Schweiz<\/strong> gelten \u00e4hnlich hohe Werte wie f\u00fcr \u00d6sterreich, aber sie ist in EU\u2011Statistiken nicht immer enthalten.<\/p>\n\n\n\n

Kroatiens Badegew\u00e4sser: Fast perfekt \u2013 laut Statistik<\/h4>\n\n\n\n

Au\u00dferdem wird Kroatien regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr seine sehr gute Badegew\u00e4sserqualit\u00e4t ausgezeichnet: In aktuellen EU\u2011Berichten erreicht Kroatien einen der h\u00f6chsten Anteile an K\u00fcstenbadeorten mit \u201eausgezeichneter\u201c Wasserqualit\u00e4t in Europa (nahe 99%).<\/p>\n\n\n\n

https:\/\/www.merkur.de\/welt\/neues-eu-ranking-kroatiens-badewasser-gehoert-zu-den-besten-europas-93853483.html<\/a><\/p>\n\n\n\n

Gleichzeitig ist spannend: Obwohl Kroatien so wasserreich ist und exzellente Badegew\u00e4sserqualit\u00e4t hat, hinkt das Land bei der Abwasserinfrastruktur hinterher. Die Adria scheint sch\u00f6ner als je zuvor \u2013 und steht gleichzeitig unter wachsendem Druck. T\u00e4glich gelangen Stoffe wie Desinfektionsmittel, Fette und \u00d6le aus Fettabscheidern unserer K\u00fcchen, \u00f6lhaltige Reinigungsmittel oder Fl\u00fcssigwaschmittel ins Abwasser \u2013 Stoffe, die weder wir noch unsere Umwelt wirklich brauchen.
Warum ist das Meer vor unserer K\u00fcste, in das wir und unsere G\u00e4ste jeden Sommer eintauchen, zunehmend belastet?<\/p>\n\n\n\n

Warum trotz sauberem Meer die Abwasserfrage dr\u00e4ngt<\/h4>\n\n\n\n

Unter anderem wegen sp\u00e4terem EU\u2011Beitritt, geringerer Finanzkraft und komplexer Siedlungsstruktur. Das hei\u00dft: viel nat\u00fcrlicher Wasserreichtum, aber noch Nachholbedarf bei den \u201eRohren und Kl\u00e4ranlagen\u201c,<\/strong> um auf das technische Niveau von Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz zu kommen.<\/p>\n\n\n\n

Etwa 80% des kommunalen Abwassers in Kroatien werden vor der Einleitung in die Umwelt zumindest irgendwie behandelt, allerdings mit sehr unterschiedlichen Reinigungsgraden.<\/p>\n\n\n\n

Alltag mit mechanischer Reinigung in Split und auf Bra\u010d <\/h4>\n\n\n\n

Beispielsweise wird aktuell das Abwasser aus Split im Wesentlichen nur mechanisch vorgereinigt und dann beim Strand Ba\u010dvice \u00fcber einen Unterwasserauslass weit hinaus in den sogenannten Bra\u010d-Kanal geleitet. Genau deshalb wird jetzt eine biologische Kl\u00e4ranlage gebaut bzw. erweitert.<\/p>\n\n\n\n

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https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Strand_Bacvice_in_Split,Kroatien<\/em>%2848608740097%29.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Typische Realit\u00e4t in vielen kroatischen Inselorten ohne Kl\u00e4ranlage wie bei mir in Selca auf der Insel Bra\u010d: Haushaltsabw\u00e4sser (K\u00fcche, Bad, Waschmaschine) werden \u00fcber einfache Leitungen in alte Sicker- und Mehrkammergruben oder wie anno dazumals einfach in nahe gelegene Karstspalten geleitet.
Die K\u00fcstenorte Povlja und Sumartin, die auch zur Gemeinde Selca geh\u00f6ren, haben eine rein mechanische Kl\u00e4ranlage, die Abw\u00e4sser werden wie in Split weitab der Hafen- und Badezonen ins Meer eingeleitet.<\/p>\n\n\n\n

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Strand in Sumartin auf der Insel Bra\u010d mit Bergmassiv Biokovo im Hintergrund
Foto von https:\/\/allesgut.hr\/<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

W\u00e4hrenddessen wird Abwasser in der DACH-Region praktisch fl\u00e4chendeckend biologisch und zu gro\u00dfen Teilen zus\u00e4tzlich chemisch gereinigt; mechanische Reinigung allein ist nur die erste Stufe und kommt fast nie ohne nachfolgende biologische Stufe vor.<\/p>\n\n\n\n

Nur rund 43% der Bev\u00f6lkerung Kroatiens sind \u00fcberhaupt an ein System angeschlossen, das Abwasser zumindest teilweise kl\u00e4rt, womit Kroatien beim Kl\u00e4ranlagenanschluss Schlusslicht in der EU ist<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n

Wo Kroatien bei der Abwasser-Richtlinie hinterherhinkt<\/h4>\n\n\n\n

Die Urban Waste Water Treatment Directive (UWWTD)<\/strong> ist die EU\u2011Richtlinie zur Behandlung von st\u00e4dtischem Abwasser: Sie verlangt, dass Abw\u00e4sser aus St\u00e4dten gesammelt und in Kl\u00e4ranlagen so gereinigt werden, dass Fl\u00fcsse, Seen und Meere m\u00f6glichst wenig belastet werden. Einfach gesagt: Die UWWTD regelt, wie Europa sein Abwasser so behandelt, dass Umwelt, Badegew\u00e4sser und Trinkwasser gesch\u00fctzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Kroatien hinkt bei der Umsetzung dieser Vorgaben den deutschsprachigen L\u00e4ndern zeitlich hinterher, vor allem weil es erst 2013<\/strong> der EU beigetreten<\/strong> ist \u2013 also gut 20 Jahre nach Einf\u00fchrung der UWWTD im Jahr 1991. Deutschland und \u00d6sterreich mussten die Richtlinie bereits in den 1990er und 2000er Jahren umsetzen und haben ihre Kl\u00e4ranlagen in dieser Zeit fl\u00e4chendeckend aufgebaut bzw. modernisiert; \u00d6sterreich galt fr\u00fch als voll konform. Kroatien bekam im Beitrittsvertrag l\u00e4ngere \u00dcbergangsfristen und hatte sich verpflichtet, die zentralen UWWTD\u2011Artikel bis Ende 2023 vollst\u00e4ndig anzuwenden \u2013 diese Vorgaben wurden jedoch nicht fristgerecht erreicht. Ein offizieller Bericht h\u00e4lt fest, dass mit einer Verz\u00f6gerung von etwa zwei bis sieben Jahren gegen\u00fcber den im Beitrittsvertrag vorgesehenen Terminen gerechnet wird.<\/p>\n\n\n\n

Die Gr\u00fcnde sind vor allem strukturell<\/strong>: Zwischen dem hohen Investitionsbedarf und den verf\u00fcgbaren Mitteln klafft eine Finanzierungsl\u00fccke<\/strong>, sodass Projekte im Abwassersektor langsamer umgesetzt werden. Viele Kommunen warten mit eigenen Investitionen auf Zusch\u00fcsse aus EU\u2011Mitteln, was zus\u00e4tzliche Verz\u00f6gerungen bringt. Gleichzeitig m\u00fcssen in vielen Orten Kanalisation und Kl\u00e4ranlagen erst neu aufgebaut werden, w\u00e4hrend DACH\u2011L\u00e4nder meist nur modernisieren. Hinzu kommen die zersplitterte Siedlungsstruktur, Inseln und stark touristisch gepr\u00e4gte K\u00fcstenregionen, die Planung, Bau und Betrieb von Anlagen teurer und komplexer machen.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Yachten Spuren hinterlassen: Schwarz\u2011 und Grauwasser im Adria-Tourismus<\/h4>\n\n\n\n
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Strand an der Hafenpromenade mitten in Bol, Foto von https:\/\/allesgut.hr\/<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Kroatien ist zugleich eines der wichtigsten L\u00e4nder Europas f\u00fcr Charterboote und Yachttourismus \u2013 doch jeder T\u00f6rn bedeutet zus\u00e4tzliche Belastung f\u00fcr die Adria<\/strong>, wenn F\u00e4kalien (Schwarzwasser), Reinigungsmittel (Grauwassser) und \u00d6l- und Treibstoffreste aus tausenden Booten direkt oder unzureichend behandelt ins Meer gelangen. Das Abwasser wird oft von den Bootsbesitzern einfach w\u00e4hrend der Fahrt aus den Tanks direkt ins Meer <\/strong>„entsorgt“.<\/p>\n\n\n\n

Eine \u00fcberall durchsetzbare Pflicht, Abwassertanks in H\u00e4fen zu leeren, besteht also nicht; rechtlich gilt zwar, dass Schwarz\u2011 und oft auch Grauwasser in H\u00e4fen und nahe der K\u00fcste nicht ins Meer eingeleitet werden d\u00fcrfen, aber in Kroatien fehlen dazu klare, fl\u00e4chendeckende Bestimmungen und Annahmestellen.<\/p>\n\n\n\n

Adria oder Nordsee: Warum Wasserreichtum allein unsere Meere nicht sch\u00fctzt<\/h4>\n\n\n\n

W\u00e4hrend Kroatien dennoch mit nat\u00fcrlichem Wasserreichtum und \u00fcberwiegend sehr guter Badegew\u00e4sserqualit\u00e4t punktet, zeigen auch Beispiele aus anderen Teilen Europas, wie verletzlich unsere Meere sind.<\/p>\n\n\n\n

Die Umweltorganisation Greepeace hatte Anfang 2025 an Str\u00e4nden in Schleswig-Holstein, unter anderem auf Sylt, Meeresschaumproben genommen und in Laboren hohe Konzentration von PFAS-Chemikalien. PFAS, bekannt als \u201eEwigkeits-Chemikalien\u201c werden in Alltagsprodukten verwendet, da sie wasser-, fett- und schmutzabweisend sind und chemisch sehr stabil bleiben.<\/p>\n\n\n\n

Die gemessenen Werte im Meeresschaum lagen laut dem NDR auf Sylt bei rund 96.000 Nanogramm pro Liter und in St. Peter-Ording bei etwa 58.000 Nanogramm pro Liter, w\u00e4hrend der d\u00e4nische Grenzwert f\u00fcr Badegew\u00e4sser bei nur 40 Nanogramm pro Liter liegt. Diese Werte \u00fcberschreiten somit den Grenzwert um ein Vielfaches und werfen ernste Fragen zur Umwelt- und Gesundheitsgef\u00e4hrdung auf, da PFAS als krebserregend gelten und sich im K\u00f6rper sowie in der Umwelt anreichern k\u00f6nnen. (Quelle: https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/schleswig-holstein\/PFAS-Hohe-Giftstoffbelastung-von-Meeresschaum-im-Norden,pfas146.html)<\/p>\n\n\n\n

Ob Adria oder Nordsee: Wenn wir verstehen, wie vielschichtig Wasserreichtum, Infrastruktur und unsichtbare Chemikalien zusammenh\u00e4ngen, k\u00f6nnen wir bewusster entscheiden \u2013 als Reisende, als Bewohner*innen und als Gesellschaft, unsere Meere nicht nur zu bewundern, sondern aktiv zu sch\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

Kroatien gilt als wasserreiches Adria-Paradies mit exzellenter Badegew\u00e4sserqualit\u00e4t. Gleichzeitig funktionieren Kl\u00e4ranlagen und Abwasserleitungen vielerorts wie \u201aanno dazumals\u2018. Dieser Artikel zeigt anhand von Beispielen aus Bra\u010d, Split und der DACH-Region, warum Wasserreichtum allein unsere Meere nicht sch\u00fctzt \u2013 und welche Rolle EU-Richtlinien, Finanzierungsl\u00fccken und unsichtbare Chemikalien spielen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6085,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[58],"tags":[80,67,81,76,60,78,77,75,79,74,62,61,64,63,66],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/allesgut.hr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6126"}],"collection":[{"href":"https:\/\/allesgut.hr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/allesgut.hr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/allesgut.hr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/allesgut.hr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6126"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/allesgut.hr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6126\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6146,"href":"https:\/\/allesgut.hr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6126\/revisions\/6146"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/allesgut.hr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6085"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/allesgut.hr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6126"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/allesgut.hr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6126"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/allesgut.hr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}